Vor ein paar Tagen fiel er mir dann wieder in die Hände und ich machte einen gemütlichen Filmeabend mit mir selbst. Ab der ersten Szene war ich fasziniert von der gesamten Inszenierung. Die Mädchen des Elitecolleges trugen allesamt bodenlange, weiße Spitzenkleider, weiße Handschuhe, schwarze Strumpfhosen und Schnürschuhe. In abgewandelter, schlichteren Form könnte man die Outfits an jeder zweiten Straßenecke finden. Dazu die verschiedenen Lokationen, die Dialoge - dreamy as hell. Jedes Bild von jeder Szenerie erinnerte mich an die Fotografien von Hamilton und auch ein bisschen an Tim Walker. Die übertriebenen Gegensätze (großer, wucherner Berg, viel Natur, dazwischen die perfekt gekleideten Mädchen) und die verträumten Mädchenszenen im weichen Gegenlicht.



Wirklich interessant waren allerdings die Texte, die ich nach dem Film las (was jetzt eher für diejenigen interessant ist, die ihn schon gesehen haben oder das Buch schon gelesen).
Joan Lindsay, die Autorin des Buches "Picnic at Hangig Rock" schrieb ein letztes Kapitel, welches lange Zeit nicht veröffentlicht wurde (auch nicht im Film) und die gesamte Handlung ungeklärt und offen enden ließ. Es entstanden viele Diskussionen darüber, wie denn nun die drei Charaktere aus dem Buch so spurlos verschwinden konnten und warum das wiedergefundene Mädchen nur zerkratzte Hände hatte und ansonsten keinerlei körperliche Schäden erlitten hatte.
Nach Joan Lindsays Tod (1984) veröffentlichte am Valentinstag 1987 der damalige Agent das letzte Kapitel der Schriftstellerin. Miss McClaw und die Mädchen entledigen sich in einer Art Trance ihrer Korsetts und gemeinsam stiegen sie immer weiter den Berg hinauf. Anschließend schlug die Lehrerin vor, sich in kleine Lebewesen zu verwandeln und in die Felsspalten hinein zu gehen. Zwei Mädchen folgten ihr, eines kam nicht hinein. Irma, das Mädchen, das eine Woche später mit rissen an den Händen gefunden wurde. Sie hämmerte wildgeworden gegen die Felswand, weil sie den anderen in die Spalten nicht folgen konnte. Sie wurde ohne jeglicher Erinnerung aufgefunden und "gerettet".
Dieses letzte Kapitel erklärt den kritischen Romantik-Horrorfilm. Die Zwänge, die die Mädchen zu der Zeit in dem Collegeinternat erlitten. Die abgelegten Korsetts sind ein Symbol für die Freiheit, in die sich die drei Charaktere nach ihrer Verwandlung begaben.
Schon lange hat mich ein Film nicht mehr so beeindruckt. Er ist sehr zu empfehlen, sowohl in modischer, literarischer als auch gesellschaftskritischer Hinsicht!
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